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Irgendwann hat jeder seinen ersten Kontakt mit Computern. In den auslaufenden 80er Jahren waren Computer eher selten. Es gab zwar schon Commodore 64 und so weiter. Aber wenn man auf dem Land lebte und die Eltern nicht gerade in der damals noch sehr jungen IT-Branche arbeiteten, dann bekommt man von der Heimcomputerrevolution kaum etwas mit. Wie auch immer. Ich muss so ungeführ 7 jahre alt gewesen sein als meine Eltern fanden das es zeit sei das ich einen Computer bekäme. Im Spielzeugladen durfte ich mir dann einen aussuchen. Es war nicht einfach zu wählen. Wollte ich den mit der mechanischen Tastatur und dem Mini-Display? Oder den mit der Folientastatur und dem etwas größeren Display? Ich entschloss mich den mit dem größten Display zu nehmen. Das war der Junior-Computer von Hartung Spiele Berlin.

Um es gelich vorweg zu nehmen. Der Juniorcomputer war ein unglaublicher Flop und der erste IT-Fehlkauf meines Lebens. Ich bekam den Computer zum Geburtstag. Batterien rein. Der Bildschirm war schwarz. Nach einiger Zeit war der Bildschirm wieder normal. Dann wieder völlig schwarz. Heute weiss ich das es sich wahrscheinlich um einen Fertigungsfehler im LCD-Display-Controller gehandeld haben muss. Da es ein transienter Fehler war wollte der Spielzeugladen den Computer auch nicht umtauschen, denn im Laden ging er dann natürlich problemlos. Immerhin konnte man mit dem kaputten Display noch spielen. Der Junior-Computer hatte nämlich eine Sprachausgabe, so ging wenigstens das Buchstabier-Spiel und das Musikspiel noch.

Der Junior-Computer hatte auch eine Variante eines Hangman-Spiels eingebaut. Wenn man verlor wurde man zwar nicht mit einer Hinrichtungszene belohnt, aber man bekam zu sehen wie ein Mensch von einem Hai gefressen wurde. Das war auch ganz nett. Bei Hangman (Hartung nannte das übrigens "Wort Quiz für zwei Spieler") hatte man eine 8-Zeichen Eingabemaske. Man konnte ein Wort mit bis zu 8 Zeichen vorgeben das der zweite Spieler dann raten musst. Übrigens konnte man mit dem Hangman-Spiel übrigens noch andere Scherze machen. Ich hatte damals einen sehr großen spaß, vor allem dann wenn Besuch da war den Erwachsenen das Spiel vorzusetzen. Ich hatte natürlich vorher ein F-Wort, genauer gesagt eine Kombination aus zwei F-Wörtern (man hatte ja 8 Zeichen) in den Computer eingegeben. Die Erwachsenen versuchten nun das Wort zu raten, was ihnen nie gelang. Am Ende wurden sie mit der Hai-Fraßszene beglückt und es wurde ihnen die zwei F-Wörter laut und deutlich vom Computer vorbuchstabiert. Das man von sowas als Erwachsener nicht begeistert ist kann ich erst heute nachvollziehen wo ich erwachsen bin. Als Kind fand ich das ganze zum schreien komisch.

Der Grund warum der Junior-Computer und ich nie so richtig Freunde wurden war jedoch nicht das defekte Display. Es war vielmehr die Tatsache dass, das Design des Gerätes wenig Raum für Kreativität lies. Es gab zwar ein Zeichenspiel bei dem man ein Bildchen mahlen konnte und ein Musikspiel. Die meisten anderen Spiele waren aber Lernspiele, die Rechenaufgaben und Buchstabierfragen durchexzertierten. Meiner Meinung nach sollte ein Computer für Kinder mehr Spiele bieten die die Kreativität eines Kindes anregen.

Das endgültige Ende meines Junior-Computers war dann ein Casemod. Als das Display endgültig seinen Dienst versagt hatte baute ich den Computer in ein neues Gehäuse. Das Display wurde amputiert und man konnte nur noch die Spiele spielen die auch ohne Display liefen. Irgendwann wurde natürlich auch der Casemod wieder zerpflückt. Ich weiß nicht mehr was danach passiert ist. Irgendwann muss ich die Überreste dann wohl entsorgt haben.

Technisch ist der Junior-Computer ein äußerst primitives Gerät. Es wurden nur die billigsten Materialien verwendet. Die Platine besteht aus Hartpapier. Die Bauteile sind teilweise schlampig auf der Platine verarbeitet. Das Gehäuse ist allerdings recht robust und hält dem normalen Spielbetrieb durchaus stand. Die Folientastatur ist zwar fürchterlich zum tippen. Für die eingebauten Spiele braucht es aber nichts besseres und eine Folientastatur lässt sich auch besser reinigen, falls mal was verschüttet wird.


Man kann den Junior-Computer mit Modulen erweitern. Es gibt ein Speichermodul das einem erlaubt Melodien und Bilder abzuspeichern und es gibt diverse Erweiterungsmodule wie z.B. ein Englischmodul, mit dem sich der Junior-Computer im Handumdrehn komplett auf englisch umstellen lässt - eine tolle Sache!



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