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Die Computer mit denen ich hantiere kommen oft in einem nicht funktionierenden Zustand bei mir an. Das ist auch nicht sehr verwunderlich. Oft haben die Geräte lang rumgestanden, wurden unter schlechten Bedingungen gelagert, es fehlen Teile usw. Man sollte solche Geräte generell erstmal überhaupt nicht einschalten sondern es erstmal ruhig angehen lassen. Bei Computern die man schon länger hat und kennt und die plötzlich ausfallen, sollte man natürlich auch vorsicht walten lassen. Jedoch ist da die Reparatur in der Regel einfacher da sich der Defekt eher auf eine Sache beschränken wird. Bei einem Gerät aus unbekannter Quelle können schon mal mehrere Dinge Defekt sein.

Sichtprüfung:
Grundsätzlich ist es ratsam erstmal eine Routineprüfung zu machen. Also man öffnet das Gehäuse und sieht sich das Gerät erstmal an. Ist es innen Dreckig? Sind Stecker und Kabel in Ordnung. Gibt es vielleicht schon sichtbare Schäden? Wie sieht es mit Elektrolytkondensatoren aus? Liegen Schrauben herum? War hier schon mal jemand dran? Das sind alles Dinge die man erstmal durchgehen sollte. An dieser Stelle weise ich übrigens ausdrücklich darauf hin das hier eine gewisse Sachkenntnis erforderlich ist. Wer sich nicht mit Elektronik, Strom und den Schutzmaßnamen auskennt sollte lieber gar nichts machen und sich Hilfe bei jemandem suchen der etwas von der Materie versteht. Netzteile, Strom, Bildröhren usw. sind nur was für Fachleute! (Ich übernehme keine Haftung für Hardware und Personenschäden, was ihr tut, tut ihr auf eigene Gefahr!)

Prüfung des Netzteils:
Wenn Geräte nicht mehr funktionieren oder man ein Gerät hat das lange nicht in Betrieb war sollte man das Netzteil prüfen. Wer bei der Sichtprüfung Kastenförmige Kondensatoren in einem transparenten, gelben Plastikgehäuse findet kann diese gleich austauschen, ansonsten droht das Risiko einer tagelang stinkenden Wohnung. Elektrolytkondensatoren sieht man nicht so direkt an ob sie noch gut sind. Sie sind aber defintiv schlecht wenn an der Oberseite Dick geworden sind oder schon Härchen oben raus wachsen. Dann auf jeden Fall auch tauschen. Wichtig ist das man vor dem ersten Test das Netzteil vom eigentlichen Verbraucher, also dem Computer trennt. Statt des Computers kann man den Ausgang erstmal offen lassen. Bei Schaltnetzteilen ist es manchmal ratsam einen Widerstand als Test-Last anzuschließen. Man wird auch fast immer wirgendwo Molex-Stecker haben an denen normalerweise Diskettenlaufwerke hängen. Da kann man eine alte Festplatte aus der Grabbelkiste als Dummy-Last nehmen. Bei Geräten wo ich mir nicht sicher bin ob sie beim Einschalten hochgehen benutze ich einen Stelltrafo. Dieser erlaubt mir die Spannung langsam hochzudrehen und auch schnell wieder zurückzudrehen. Manchmal hilft es auch eine Glühbirne in Reihe mit dem Netzteil zu schalten. Diese begrenzt den Strom im Notfall etwas. Wenn man es schafft das Netzteil in Betrieb zu nehmen ohne das es knallt ist schon mal viel gewonnen. Dann sollte man mit einem Multimeter die Spannungen prüfen. Diese sollten nicht wesentlich von den Erwartungswerten abwechen. Falls doch, kann man mal die Last prüfen. Manche Schaltnetzteile aufen nicht vernünftig an wenn sie mit keiner oder einer zu niederigen Last betrieben werden. Das ist aber eher selten. Man sollte schon was messen können. Wenn die Spannungen ok ist kann sollte man mit einem Oszilloskop noch mal schauen ob das Netzteil auch eine Gleichspannug liefert. Gerade wenn Kondensatoren schlecht geworden sind, können da Spikes und Ripple rauskommen. Das ist natürlich für die Elektronik die damit laufen soll nicht sogut.

Kontaktprüfung:
Es kann vorkommen das durch Korrosionsprozesse, Staub und Dreck elektrische Kontakte nicht mehr richtig funktionieren. Kontaktprobleme treten vor allem gerne an Steckverbindern auf. Es kann helfen Steckkarten einfach mal raus und wieder reinzustecken bzw. Stecker abzuziehen und wieder reinzustecken. Natürlich im ausgeschalteten Zustand. In manchen Fällen kann es auch sein das IC-Fassungen beginnen Probleme zu machen. Hier hilft es meistens den IC vorsichtig zu etnehmen und dann wieder in die Fassung zu stecken. Saubermachen ist generell eine gute Idee. Hierfür kann man Druckluftspray verwenden. Wovon ich persönlich nichts halte ist wild mit Kontaktspray in Geräten herumzusprühen. Ein bewusstes Rinigen ist viel besser. Kleberige und ölige verschmutzungen bekommt man mit Aceton gut weg. Ausgelaufene Pufferbatterien, siffige Elektrolytkondensatoren, feuchte Lagerung oder aus der Bildröhre tropfendes PVA (aufgeklebte Kontrastscheibe) kann gehörige Kontaktproble verursachen. Generell gilt aber. Ein sauberer Computer ist schon ein guter Anfang. Es gibt Kollegen die reinigen Platinen in der Spülmaschine. Ich würde das nicht machen. Mit einem feuchten Lappen staub entfernen sollte aber ok sein.

Erweiterungen entfernen:
Es ist generell hilfreich die Komplexität eines Systems so weit wie möglich zu reduzieren. Deshalb sollte man versuchen alle Erweiterungen aus dem System auszubauen und mit einem minimalsystem zu starten. Wenn man Glück hat funktioniert dann schon was. Defekte Erweiterungskarten oder defekte Peripherie kann ein ganzes System lahm legen.

Teile tauschen:
Es klingt etwas absurd, aber die Rechner an denen mir etwas liegt habe ich alle mindestens zwei mal. Einmal normal und einen zweiten oder dritten auseinandergebaut im Schrank. Bei Problemen kann ich dann den Fehler durch tauschen von einzelnen Teilen eingrenzen. Diese Herangehensweise hat aber auch ihre Tücken. Es kann druchaus sein das der Defekt ein Folgedefekt einer anderen Sache ist und mir dann das Teil das ich gerade getauscht habe auch gleich kaputt geht. Es ist auch immer ein wenig Bauchgefühl dabei. Die Methode funkuntioniert übrigens auch auf Platinenebene sehr gut. In schwierigen Fällen habe ich einfach IC für IC zu entlötet und in einer Testschaltung geprüft. So lange bis ich einen hatte der defekt war. Die ausgelöteten ICs habe ich dann in eine Fassung gesetzt.

ROM-Test:
Wenn ich einen neuen Rechner bekomme, erstelle ich wenn möglich sofort ein ROM-Backup. Maskenroms sind in der Regel unproblematisch. Auch PROMs die durch durchbrennen von kleinen Leiterbrücken auf dem Chip programmiert werden sind eher unproblematisch. EPROMs stellen aber ein echtes Problem dar. Viele Systeme die ich habe sind älter als 30 Jahre. Nach einer so langen Zeit kann es sein das die Eproms, die Daten auf einem floating-gate speichern ihren Inhalt verlieren. Die Datenverluste sind meist minimal. Ein par Bits hier und da. Für Firmware-Roms hat das aber fatale Folgen. Die Folge sind abstürze schon beim Booten, wenn man Glück hat bekommt man noch nen Fehlercode weil die ROM-Checksumme nicht mehr stimmt. In solchen Fällen ist man mit ROM-Backups gut beraten. Dann kann man die Roms nämlich mit den Backups vergleichen. Bekommt man den Rechner schon defekt kann wird man bei verbreiteten Rechnern im Internet in der Regel fündig, bei seltenen Rechnern kann es dann aber schon mal Probleme geben. Ich hatte schon mehrfach Rechner die nicht mehr liefen weil die ROM-Inhalte faul geworden sind.


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